HYPERVENTILATIO

 

Bei Angst, Wut, Aufrgeung und Stress ist die Atmung oft entweder rasch und flach mit eingestreuten Seufzerzügen oder sie wechselt von unruhiger Mittellage zur Hyperventilation (schnell und tief). Plötzliches Erschrecken kann zu einem vorübergehenden Atemstillstand führen, gefolgt von einer intensivierten Atmung.

Das Hyperventilationssyndrom wird im amerikanischen psychiatrischen Diagnoseschema als eine Unterform der Panikstörung angesehen, ähnlich wie die Herzphobie, nach dem ICD-10, dem internationalen Diagnoseschema der Weltgesundheitsorganisation, stellt das Hyperventilationssyndrom eine somatoforme autonome Funktionsstörung (respiratorisches System) dar.

Das Hyperventilationssyndrom tritt vor allem bei jüngeren Menschen auf, bevorzugt im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt. Die Symptomatik kommt bei Frauen dreimal so häufig vor wie bei Männern. 60% der Angstpatienten hyperventilieren bei Angst. Menschen mit einem chronischen Hyperventilationssyndrom weisen in weniger als 1% der F�lle eine Zwerchfellatmung auf.

Die Art der Atmung (fast ausschlie�lich Brustatmung, geringe oder fehlende Bauchatmung) kann bei ansonsten unklaren Symptomen den Verdacht auf ein Hyperventilationssyndrom untermauern. Zur überprüfung dient ein Hyperventilationstest für drei Minuten, wobei die Betroffenen erkennen lernen, wie ihre Symptome entstehen.

Hyperventilation ist in über 95% der Fälle psychisch bedingt. Wenn keine Auslösung durch psychische Erregung (Angst, Ärger, Wut) erkennbar ist, sollten mögliche organische Ursachen ausgeschlossen werden, z.B. Kaliummangel oder -Überschuss, Magnesiummangel, Kalziummangel, metabolische Azidose oder Alkalose.

Menschen mit Ängsten, chronischer Stressbelastung und Verspannung atmen flach und unergiebig aus dem oberen Brustkorb heraus und nutzen damit nur ein Drittel bis zur Hälfte der Lungenkapazität. Bei mehr Sauerstoffbedarf atmen sie noch stärker mit dem Brustkorb statt intensiver mit dem Zwerchfell. Durch die schnelle Atmung kommt es zum belastenden Herzrasen. Den Betroffenen fällt die Hyperventilation oft gar nicht auf, so dass sie diese auch nicht als die Ursache ihres Herzrasens erkennen können.

Die generelle Einatmung durch den Mund, wie sie insbesondere bei Menschen mit Allergien, Asthma oder Atemwegserkrankungen vorkommt, begünstigt bei Angst, Aufregung oder Stress ohne gleichzeitige Bewegung eine Hyperventilation.Oft wird die Hyperventilation nicht durch Angst,sondern durch Wut oder Aggression ausgelöst.

Hyperventilation wird einerseits h�ufig durch chronische Muskelverspannungen im Brustkorb beg�nstigt, f�hrt andererseits aber auch zu Brustschmerzen, wenn bei fast vollst�ndig gef�llter Lunge hyperventiliert wird (so genannte. aufgesetzte Hyperventilation). Hyperventilation f�hrt zur �berdehnung der Muskeln zwischen den Rippen, was Schmerzen bzw. Ziehen in der Brust hervorruft. Weiteres, noch tieferes Einatmen f�hrt zu verst�rktem Schmerz bzw. Ziehen.

Die Betroffenen sollten die körperlichen Vorgänge bei einer Hyperventilation genau verstehen, um die so häufige Beunruhigung durch die dabei auftretenden Symptome zu vermindern. Deshalb wird im Folgenden eine ausführliche Erklärung geboten.

Unter dem Hyperventilationssyndrom versteht man eine über das physiologische Bedürfnis hinausgehende Beschleunigung und Vertiefung der Atmung, wodurch im Blut der Sauerstoffanteil ansteigt und der Kohlendioxidgehalt stark abfällt. Das Atemminutenvolumen liegt durchschnittlich 95%, im Anfall sogar bis zu 500% über dem Soll.

 Hyperventilation bedeutet, dass man schneller und/oder tiefer atmet, als es für die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff und den Abbau von Kohlendioxid nötig ist. Es wird zuviel Sauerstoff eingeatmet und zuviel Kohlendioxid ausgeatmet. Ohne körperliche Bewegung sinkt der Kohlendioxidanteil im Blut besonders stark ab, weil nicht genügend Kohlendioxid in den Muskeln gebildet wird.

Hyperventilation bewirkt eine Fehlregulation des Gasstoffwechsels im Bereich der Lungenbläschen und infolgedessen eine Verminderung des Kohlendioxidpartialdrucks, wodurch es zu einer Verschiebung des Säure-Basen-Gleichgewichts kommt. Kohlendioxid ist zwar ein Abfallprodukt, muss jedoch in einem bestimmten Verhältnis zum Sauerstoff im Körper vorhanden sein. Durch den Kohlendioxidmangel steigt der pH-Wert (Säure-Basen-Verhältnis im Blut): das Blut wird basisch. Das massive Absinken des Säuregehalts im Blut wird „respiratorische Alkalose“ genannt. Bei starker Hyperventilation kann der Kohlendioxidanteil im Blut in weniger als 30 Sekunden um 50% abnehmen. Innerhalb einer Minute treten Symptome auf.

Bei einem Absinken des Kohlendioxidanteils unter 3 % funktioniert der Gasaustausch in der Lunge nicht mehr. Bei einem zu geringen Kohlendioxidanteil können die roten Blutkörperchen nicht mehr Sauerstoff an die Zellen abgeben.

Hyperventilation bewirkt über die Kohlendioxidreduktion eine Erniedrigung der Kalziumionen-Konzentration im Blut, d.h. der Anteil von ionisiertem Kalzium im Blut sinkt ab, wodurch die Nervenzellen erregbarer werden und leichter eine Alarmreaktion (Bereitstellungsreaktion) ausgelöst werden kann. Wenn das Kohlendioxid, das von Eiweißkörperchen im Blut transportiert wird, durch die Hyperventilation (insbesondere bei fehlender körperlicher Bewegung) im Blut stark abnimmt, lagert sich normalerweise neben anderen Stoffen das Erdalkalimetall Kalzium enger an das Eiweiß.

Kalzium ist ein wichtiger Bestandteil des Blutes und wird neben der Stärkung der Knochen u.a. auch zur Funktionsfähigkeit der Nervenzellen und der Muskel benötigt. Kalzium ist im Blut teilweise an Eiweiß gebunden, teilweise schwimmt es als freier Bestandteil ohne Verbindung zu anderen Blutbestandteilen im Blut herum. Das freie Kalzium im Blut wird um so weniger, je mehr Stellen am Bluteiweiß wegen des stark abgeatmeten Kohlendioxids frei werden.

Das freie Kalzium im Blut ist u.a. dafür verantwortlich, dass die Muskeln geschmeidig arbeiten können. Wenn weniger freies Kalzium im Blut ist, werden die Nerven erregbarer, und die Muskeln beginnen sich zu verkrampfen. Gewöhnlich merkt man dies zuerst an einem Kribbeln in den Lippen bzw. im Bereich des Mundes, bald darauf ziehen sich die Lippen zusammen („Kussmundstellung“). Dann kribbelt es in Händen und Füßen, und die Finger ziehen sich zusammen, so dass die Hände wie Pfoten aussehen („Pfötchenstellung“) und im Extremfall gar nicht mehr bewegt werden können. Neben Kribbeln, Pelzigkeit und Taubheitsgefühlen können in Brust und Hals auch Druck- oder Engegefühle entstehen.

Durch die engere Bindung der Kalziumionen an das Eiweiß im Blut verengen sich auch die Blutgefäße im Gehirn, was die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn beeinträchtigt und zu Schwindel, Konzentrationsstörungen und Schwarzwerden vor den Augen führt und die bestehende Angst und Unruhe verstärkt. Gleichzeitig wird das sympathische Nervensystem aktiviert, so dass eine Notfallsreaktion immer wahrscheinlicher wird, die dann als Panikattacke erlebt wird.

Hyperventilation führt über den Kalziumabfall zur Verkrampfung der Bronchien und der Stimmritzen. Wegen der zunehmenden Angst, keine Luft zu bekommen, und wegen des Drucks im Brustkorb atmen die Betroffenen noch tiefer und heftiger. Da weiterhin keine Bewegung erfolgt, wird der Kohlendioxidmangel im Blut noch größer.

 Nicht einmal im Extremfall fürt hyperventilationsbedingte Sauerstoffnot zur Ohnmacht, wie eine niederländische Studie an Versuchspersonen ergab, die mindestens 90 Minuten lang so schnell und tief atmeten, als sie konnten. Es ist jedoch eine Hyperventilationstetanie möglich, d.h. ein krampfartiger Anfall, der für Unerfahrene wie ein epileptischer Anfall ausschaut, so dass Beobachter unnötigerweise den Notarzt rufen.

Der Arzt verabreicht oft eine Kalziumspritze zur Krampflösung. Die künstliche Zufuhr von Kalzium löst rasch den Muskelkrampf (Tetanie). Eigentlich handelt es sich dabei um einen typischen Placeboeffekt, weil bei einer Hyperventilation nur ein relativer und kein absoluter Kalziummangel gegeben ist. Die Kalziuminjektion bewirkt ein subjektives Wärmegefühl in Händen und Füßen, was dem Gefühl des Absterbens der Extremitäten entgegenwirkt.

Bei starken Tetanien wird oft auch eine Beruhigungsspritze (Valium, Rivotril) verabreicht, was meist unnötig ist, weil deren Wirkung weit über den Hyperventilationszeitraum hinaus anhält, so dass man sich noch Stunden später benommen fühlt.

Richtige, langsame Atmung, gleichzeitige Bewegung während der Atmung bzw. eine Papiertüte, ein Taschentuch oder die hohle Handinnenfläche vor dem Mund, um das ausgeatmete Kohlendioxid wieder einzuatmen, sind gut geeignet, den Kohlendioxidgehalt im Blut rasch zu steigern und die Muskeln geschmeidiger zu machen.

Eine Hyperventilation hat folgende Symptome:

��� anhaltendes Gef�hl, nicht richtig durchatmen zu k�nnen, verbunden mit dem Zwang, ein paar Mal tief durchatmen zu m�ssen, Atemnot und Druck auf der Brust, Herzklopfen und Herzrasen, Herzschmerzen, Brustschmerzen (durch �berspannung der Muskeln zwischen den Rippen), Engegef�hl �ber der Brust (G�rtel- und Reifengef�hl), Gef�hllosigkeit, Kribbeln („Ameisenlaufen“) und Zittern an H�nden (besonders in den Fingerspitzen), F��en und Beinen, Kribbeln um die Mundregion, taube Lippen, Globusgef�hl (Zusammenschn�ren der Kehle), Verkrampfung der H�nde („Pf�tchenstellung“), kalte H�nde und F��e, Zittern, Muskelschmerzen, Druck im Kopf und Oberbauch, Bauchbeschwerden (durch das Luftschlucken), �belkeit, Schwindel, Benommenheit, Unwirklichkeitsgef�hle, Pupillenerweiterung, Sehst�rungen, Gef�hl, wie auf Wolken zu gehen, Angst, ohnm�chtig zu werden, und Todesangst (wegen der Erstickungsgef�hle).

Im Extremfall einer Hyperventilationstetanie f�hrt der Sauerstoffmangel zu Ohnmacht und Krampfzust�nden. In der Ohnmacht normalisiert sich die Blutzusammensetzung schnell wieder, weil man richtig atmet, so dass man rasch und problemlos von alleine zu sich kommt. Hyperventilation f�hrt auch zu Ver�nderungen der Wahrnehmung. Sehen und H�ren sind beeintr�chtigt, das Selbsterleben bekommt eine andere, Angst machende Dimension, was die Paniksymptome verst�rkt, insbesondere die Angst vor dem Verr�cktwerden. Bei starker Hyperventilation treten binnen einer Minute Symptome auf. Sie sind zwar unangenehm, bewirken aber keine bleibenden Sch�den.

��� Menschen, die chronisch hyperventilieren, haben oft keine eindeutig abgrenzbaren akuten Anf�lle, nur relativ unspezifische und vage Beschwerden, selten Atemst�rungen oder Tetaniezeichen. Als Leitsymptome des chronisches Hyperventilationssyndroms gelten: Schwindel, Brustschmerzen, kalte H�nde und F��e sowie verschiedene psychische Beschwerden (M�digkeit, Schlappheit, Schl�frigkeit, Wetterf�hligkeit, Konzentrationsst�rungen, Vergesslichkeit, Reizbarkeit, Angespanntheit, �ngstliche oder depressive Symptomatik).

Panikattacken lassen sich nach neueren Untersuchungen nicht generell durch die direkte biologische Wirkung der Hyperventilation erkl�ren, wenngleich im Einzelfall Hyperventilation oft zu Panikattacken f�hren kann. Panikattacken d�rfen nicht einfach mit dem Hyperventilationssyndrom gleichgesetzt werden. Viele Panikpatienten hyperventilieren �berhaupt nicht. Provokationstests bewirkten bei Panikpatienten keinen erniedrigten Kohlendioxidpartialdruck des Blutes, der bei chronischer Hyperventilation zu erwarten gewesen w�re.

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HYPERVENTILATIONSSYNDROM

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Das Hyperventilationssyndrom ist charakterisiert durch „Lufthunger“, thorakales Druck- oder Engegef�hl und atypische pektangin�se Schmerzen. Es besteht eine emotional bedingte, �ber das physiologische Bed�rfnis hinausgehende Beschleunigung und Vertiefung der Atmung, wodurch der Sauerstoffanteil im Blut ansteigt und der Kohlendioxidgehalt stark abf�llt (Ver�nderung des S�ure-Basen-Haushalts des Blutes im Sinne einer respiratorischen Alkalose).

��� Der Kohlendioxidabfall f�hrt zu einer Reduktion des ionisierten Kalziums im Blut (das f�r die Geschmeidigkeit der Muskeln erforderliche freie Kalzium im Blut nimmt stark ab), was eine �bererregbarkeit (Tetanie) der Muskulatur bewirkt. Die Hypokapnie erh�ht den zerebralen Gef��widerstand und vermindert dadurch den Blutfluss im Kopf.

��� Als Folge der physiologischen Ver�nderungen treten zahlreiche Symptome auf: anhaltendes Gef�hl nicht richtig durchatmen zu k�nnen, verbunden mit dem Zwang, ein paar Mal tief durchatmen zu m�ssen, Atemnot („Lufthunger“), Druck auf der Brust, Brustschmerzen, Engegef�hl �ber der Brust, Herzklopfen und Herzrasen, Herzschmerzen, Gef�hllosigkeit, Kribbeln und Zittern an H�nden (besonders in den Fingerspitzen), F��en und Beinen, Kribbeln um die Mundregion, taube Lippen, Globusgef�hl (Zuschn�ren der Kehle), Verkrampfen der H�nde („Pf�tchenstellung“), kalte H�nde und F��e, Muskelschmerzen, Druck im Kopf und Oberbauch, Bauchschmerzen (durch das Luftschlucken), �belkeit, Sehst�rungen, Gef�hl „wie auf Wolken zu gehen“, Angst ohnm�chtig zu werden, Todesangst.

��� Bei l�ngerer Hyperventilation kommt es aufgrund des Krampfzustandes der Blutgef��e zu einer Minderdurchblutung des Gehirns mit der Folge von geistigen Symptomen wie Benommenheit, Schwindel, Unwirklichkeitsgef�hlen, Konzentrationsst�rungen und leichten Bewusstseinsst�rungen.

��� Bei richtiger Atmung normalisiert sich der pH-Wert des Blutes rasch wieder, sodass keine medizinische Intervention (Kalzium-Spritze, Beruhigungsspritze, Plastikt�te vor dem Mund) erforderlich ist.

Bei Angst, Aufregung, Wut und Stress ist die Atmung oft entweder rasch und flach mit eingestreuten Seufzerz�gen oder sie wechselt von unruhiger Mittellage zur Hyperventilation (schnell und tief). Pl�tzliches Erschrecken kann zu einem vor�bergehenden Atemstillstand f�hren, gefolgt von einer intensivierten Atmung.

Das Hyperventilationssyndrom wird oft als Unterform der Panikst�rung angesehen, �hnlich wie die Herzphobie. Beiden gemeinsam ist der appellative Charakter der Symptomatik. Das Hyperventilationssyndrom tritt vor allem bei j�ngeren Menschen auf, bevorzugt im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt.

Die Symptomatik kommt bei Frauen dreimal so h�ufig vor wie bei M�nnern. Menschen mit einem chronischen Hyperventilationssyndrom weisen in weniger als 1% der F�lle eine Zwerchfellatmung auf.
 

Das akute Hyperventilationssyndrom ist eine h�ufige St�rung, die selten diagnostische oder therapeutische Probleme bereitet. Die vielf�ltigen Beschwerden der chronischen Hyperventilation lassen sich einerseits durch die zugrundeliegenden psychischen St�rungen und andererseits durch die respiratorische Alkalose erkl�ren. Die Diagnose wird durch Anamnese, Provokation der Symptome im Hyperventilations-Expositionsversuch und durch eine direkte Messung des pCO2 gesichert. Die Therapie des Hyperventilationssyndroms st�tzt sich auf das �rztliche Gespr�ch mit entsprechender Information des Patienten (Psychoedukation), auf eine Verbesserung der Atemtechnik durch physiotherapeutische Techniken, Entspannungsverfahren sowie auf Psychopharmaka (Antidepressiva).
Schl�sselw�rter: Hyperventilationssyndrom, respiratorische Alkalose, Angst, pCO2, Somatisierungsst�rung


Das Krankheitsbild ist definiert durch eine �ber die physiologischen Bed�rfnisse hinausgehende Erh�hung der Atemfrequenz und Atemtiefe, die zur Verminderung des pCO2 im Blut f�hren. Zu den pathophysiologischen Vorg�ngen, die zu einer beschleunigten Atemfrequenz f�hren, geh�ren das Absinken des arteriellen pCO2 und Anstieg des pCO2, eine Gewebshypoxie, metabolische Ver�nderungen (Azidose), eine direkte Reizung des Atemzentrums, erh�hter O2-Bedarf oder eine periphere Reflexstimulation. Angst, Panik und akute Stressoren sind die wichtigsten psychosozialen Ursachen f�r eine Hyperventilation.


Das Hyperventilationssyndrom ist charakterisiert durch die psychisch bedingte, anfallsweise auftretende, beschleunigte und vertiefte Atmung mit den typischen tetanischen Symptomen. Hyperventilation ist eine h�ufige, allt�gliche Erscheinung, die - vor allem bei j�ngeren Frauen - zu erheblicher Morbidit�t f�hren kann� und damit von gro�er gesundheits�konomischer und - wegen der Fr�hberentungen - auch versicherungspolitischer Bedeutung ist.


Nach dem DSM IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, American Psychiatric Association [12]) sind funktionelle Erkrankungen "Somatisierungsst�rungen", das Hyperventilationssyndrom ist weder beschrieben noch klassifiziert und kann - wie alle anderen funktionellen Erkrankungen - nur als "Somatisierungssyndrom" (F45.0 nach ICD-10) klassifiziert werden. Nach der ICD-10 (Internationale Klassifikation psychischer St�rungen [2]) sind funktionelle Erkrankungen "somatoforme St�rungen" beziehungsweise "somatoforme autonome Funktionsst�rungen", und dementsprechend ist das Hyperventilationssyndrom eine somatoforme autonome Funktionsst�rung des respiratorischen Systems (F45.33 nach ICD-10). Mit diesen Klassifikationen werden die funktionellen Erkrankungen zu psychiatrischen Krankheitsbildern, obwohl es sich - schon aufgrund der historischen Entwicklung, um internistische Krankheitsbilder handelt. Dar�ber hinaus kommen Patienten mit funktionellen Beschwerden prim�r zum Hausarzt, zum Allgemeinmediziner oder Internisten und nicht zum Psychiater.


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������������������������������������������������������������� ��� �Epidemiologie

Obwohl nach der klinischen Erfahrung �berwiegend junge Frauen unter dem klinischen Bild eines akuten Hyperventilationsanfalls in den Notfallstationen der Akutkliniken oder der Praxis des niedergelassenen Arztes betreut werden, zeigen epidemiologische Untersuchungen, da� die H�ufigkeit gleichm��ig auf die beiden Geschlechter verteilt ist . Mit fortschreitendem Alter nimmt die H�ufigkeit bei beiden Geschlechtern ab: Wie bei den Patienten mit anderen funktionellen Syndromen manifestiert sich ein Hyperventilationssyndrom vor allem im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt, bei �ber 60 j�hrigen Menschen ist ein Hyperventilationssyndrom eher selten . Etwa sechs bis zehn Prozent der Patienten einer internistischen Praxis und sechs bis elf Prozent der Patienten einer Allgemeinpraxis sollen an einem Hyperventilationssyndrom leiden.



Die Symptomatologie des Hyperventilationssyndroms wird - wie oben beschrieben - durch die pathophysiologischen Ver�nderungen infolge der durch die alveol�re Hyperventilation bedingten respiratorischen Alkalose erkl�rt.

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����������� Respiratorische Symptome:

H�ufig berichten die Patienten, "nicht richtig durchatmen zu k�nnen", gleichzeitig bestehen - neben einem Engigkeitsgef�hl im Thorax - ein Zwang, tief atmen zu m�ssen, und Atemnot, die oft Ursache f�r die Konsultation ist. Es findet sich eine Tachypnoe, die von unmotiviertem G�hnen, einer Seufzeratmung oder nerv�sem H�steln oder trocknem Reizhusten begleitet sein kann.

����������� �Neuromuskul�re Symptome:

Charakteristisch sind Par�sthesien ("Ameisenlaufen"), Gef�hllosigkeit und Zittern in den Extremit�ten, Kribbeln perioral sowie Verkrampfungen der Akren, L�hmungen, Zittern und Muskelschmerzen.

Zerebrale Symptome:

Viele Patienten klagen �ber Benommenheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Sehst�rungen und ein Gef�hl der Benommenheit ("Mattscheibe", "auf Wolken gehen").

Kardiale Symptome:

Die bei der Hyperventilation auftretenden linksthorakalen Beschwerden werden - �hnlich wie beim funktionellen kardiovaskul�ren Syndrom - von den Patienten entweder als stechender Schmerz oder als dumpfes Druckgef�hl retrosternal und linksthorakal erlebt. �ber Palpitationen wird h�ufig berichtet .

Gastrointestinale Symptome:

Oberbauchbeschwerden entstehen meist durch eine die Hyperventilation begleitende Aerophagie, die Aufsto�en, Meteorismus, Flatulenz und Dysphagie (selten dadurch auch Anorexie) verursachen kann. Die Beschwerden entsprechen h�ufig dem klinischen Bild funktioneller Unterbauchbeschwerden ("Colon irritabile").

Vegetative und psychische Symptome:

Viele Patienten klagen �ber M�digkeit und Schl�frigkeit, Konzentrationsst�rungen, Verge�lichkeit, Reizbarkeit sowie Wetterf�hligkeit. Schwitzen, Harndrang sowie kalte H�nde und F��e werden ebenfalls h�ufig angegeben.
Aus einer depressiven oder �ngstlichen Stimmungslage k�nnen sich phobische oder Panikzust�nde entwickeln .

CHRONISCHE HYPERVENTILATION

W�hrend der akute Hyperventilationsanfall kaum diagnostische Probleme bietet, bereitet das chronische Hyperventilationssyndrom oft gro�e Schwierigkeiten, da akute Anf�lle oft fehlen, die Beschwerden sehr vage und sehr mannigfaltig sind und andere nicht direkt auf eine Hyperventilation zur�ckzuf�hrenden psychischen oder somatischen Symptome im Vordergrund stehen (Testkasten: Leitlinien der Somatosierungsst�rung). Zu den Leitsymptomen z�hlen Schwindelgef�hle (kein Dreh- oder Schwankschwindel!), thorakale Beschwerden, kalte Extremit�ten sowie psychische Symptome wie M�digkeit, Angst und Nervosit�t, die nicht selten zu kardiologischen, neurologischen und psychiatrischen Abkl�rungen f�hren . Im Hyperventilationsversuch sind die Symptome oft nicht - wie beim akuten Hyperventilationssyndrom - reproduzierbar, da der Organismus meist an die chronische respiratorische Alkalose gew�hnt ist und diese metabolisch kompensiert ist.


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��������� Diagnose
 

Durch die eingehende biopsychosoziale Amamnese lassen sich somatische und psychische Befunde sowie biographische Kontextzusammenh�nge in einem Arbeitsgang erheben . H�ufig finden sich starke Affekte (Angst) und eine depressive Stimmung. Bei der k�rperlichen Untersuchung imponiert die Thoraxatmung mit Tachypnoe im akuten Anfall, aber ohne Zyanose. Die Muskeleigenreflexe k�nnen sehr lebhaft sein, und die Muskeln k�nnen bei Beklopfen intensive Zuckungen zeigen. Chovostek- und Trousseau-Zeichen sind positiv, dar�ber hinaus sind Karpopedalspasmen, "Karpfenmaul", Tremor, kalte Akren, Tachykardie, positive vegetative Stigmata (Dermographismus ruber) sowie lebhafte Darmger�usche charakteristisch. In der arteriellen Blutgasanalyse findet sich eine respiratorische Alkalose mit deutlich erniedrigtem pCO2 .
Der �ber drei Minuten durchgef�hrte Hyperventilations-Expositionsversuch ist positiv, wenn ein Gro�teil der im Alltag des Patienten auftretenden Beschwerden wie Kribbeln in den Extremit�ten, Verkrampfungen perioral, Schwindel, Sehst�rungen, Gef�hl des Nicht-Durchatmen-K�nnens, linksthorakale Beschwerden (wie Herzklopfen), Globusgef�hl und Angst vom Patienten berichtet werden. Kontraindiziert ist ein Hyperventilationsversuch bei Patienten mit zerebrovaskul�ren und kardialen Erkrankungen sowie Asthma bronchiale, da die willk�rliche Hyperventilation einen Asthmaanfall ausl�sen kann.
Differentialdiagnose
Bereits durch die Anamnese k�nnen somatische Ursachen einer Hyperventilation wie Lungenerkrankungen oder eine Herzinsuffizienz ausgeschlossen werden. Zu den weiteren k�rperlichen Ursachen einer Tetanie z�hlen Enzephalitiden oder Hirntumoren (direkte Stimulation des Atemzentrums), Kalzium- und Magnesiummangel, Hyperkali�mie, Hyperparathyreoidismus (zum Beispiel strumipriv), Infektionskrankheiten (Tetanus) oder Intoxikationen. In die weiteren diffentialdiagnostischen �berlegungen m�ssen das funktionelle kardiovaskul�re Syndrom, die Konversionsneurose sowie der Formenkreis der Angstst�rungen eingeschlossen werden, wobei - auch nach neueren Untersuchungen - das Hyperventilationssyndrom nicht unter den Panikst�rungen subsumiert werden kann .
Therapie
W�hrend des akuten Anfalls sollten zuerst der Patient und meist auch die Angeh�rigen beruhigt werden. Mit einer Plastik- oder Papiert�te, die von unten her �ber Mund und Nase gehalten wird, klingen die Beschwerden durch die R�ckatmung und den Anstieg des arteriellen pCO2 rasch ab. Bei der h�ufig ge�bten Praxis einer intraven�sen Injektion von 10 ml einer zehnprozentigen Kalziuml�sung handelt es sich um einen Plazeboeffekt, der in keiner Weise indiziert ist . Auch die Gabe von Benzodiazepinen ist meist weder indiziert noch gerechtfertigt. Bei der chronischen Hyperventilation sollten die Patienten - ebenso wie beim akuten Anfall - empathisch und genau �ber diese St�rung der gewohnheitsm��igen Atmung aufgekl�rt werden. Weitere psychoedukative Ma�nahmen sind dann notwendig, wenn physische oder psychische Symptome weiterhin auftreten.
Von besonderer Bedeutung ist die physiotherapeutische und atemtherapeutische Behandlung, und zwar das Erlernen der Zwerchfellatmung sowohl im Anfall als auch in Ruhe. Hierzu sollte der Patient t�glich zweimal 20 Minuten die entsprechenden Atem�bungen durchf�hren und zus�tzlich im Alltag immer wieder auf seine Atmung (Zwerchfellatmung) achten. Psychotherapeutische Ma�nahmen sind vor allem beim chronischen Hyperventilationssyndrom indiziert. Ziel ist, da� es dem Patienten m�glich wird, die Beziehung zwischen ausl�sender Situation, Affekt und Hyperventilation zu erkennen. Dar�ber hinaus haben Entspannungsverfahren (Autogenes Training, progressive Muskelrelaxation, Hypnose oder Yoga) oder verhaltenstherapeutische Techniken ebenfalls einen hohen Stellenwert in der Therapie des Hyperventilationssyndroms: Mit diesen Verfahren kann nicht nur die Angst vermindert, sondern k�nnen auch Beschwerden und Anfallsh�ufigkeit reduziert werden .
Psychopharmaka sind nur bei Patienten mit ausgepr�gten Angstzust�nden und Depressionen indiziert, und zwar vor allem trizyklische (beispielsweise Imipramin) und serotonerge (beispielsweise Paroxetin) Antidepressiva. Von Bedeutung ist eine ausreichend lange und gen�gend hohe Dosierung, zum Beispiel eine Behandlung mit trizyklischen Antidepressiva in einer oralen Dosierung von 100 bis 150 mg t�glich �ber mindestens zwei Monate. Benzodiazepine sind wegen ihres hohen Suchtpotentials nur bei schweren Anf�llen kurzzeitig indiziert. Der Einsatz von kardioselektiven Betablockern ist bei vorherrschender kardialer Symptomatik (wie Tachykardie, Palpitationen) sinnvoll, um den beschriebenen Circulus vitiosus zu durchbrechen.
Prognose
Beim akuten Hyperventilationssyndrom ist die Prognose g�nstig, wenn sie nicht iatrogen durch die Diagnose einer "Organerkrankung" (wie Hypoparathyreoidismus oder koronare Herzkrankheit) verschlimmert wird und damit die Beschwerden fixiert werden. Beim chronischen Hyperventilationssyndrom kommt es trotz verschiedener geeigneter Behandlungen nur bei 60 Prozent der Patienten zu einer Besserung.


 

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Eine zu rasche und zu tiefe Atmung im Sinne einer Hyperventilation f�hrt paradoxerweise zu einem Sauerstoffmangel, verbunden mit dem Angstgef�hl zu ersticken, so dass noch schneller und tiefer geatmet wird (was die Symptomatik versch�rft).

Trotz des �beratmens besteht ein Gef�hl von Luftnot, das sich bis zur Erstickungsangst steigern kann. Dies h�ngt damit zusammen, dass die normale Atmung vor allem durch einen Kohlendioxid�berschuss und in geringerem Ausma� auch durch einen Sauerstoffmangel angeregt wird. Bei einer Hyperventilation ist gerade das Umgekehrte der Fall, so dass das Atemzentrum die Atmungsvorg�nge vermindert.

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